Words don’t come easy

Abschlussarbeit zum Seminar betreut von Elena Vogman

    Während des Seminars habe ich einen Praxisorientierten Ansatz erarbeitet, der möglichst gut das poetische Potential von Texten im Dialog mit Bildern hervorruft. Das Ziel war auch der Trennung zwischen Text und Bild aktiv entgegenzuwirken. Ausgehend von in dem Seminar präsentierten künstlerischen und theoretischen Positionen, habe ich mich spezifisch mit dem Werk von Lou Cantor auseinandergesetzt, und vor allem mit dem medialen / digitalen / virtuellen Aspekt der Textarbeit in ihrer Kunst. In Artificial Emotions stellt Lou Cantor fragen wie: was bedeuten “emotions” und “feelings”, “other forms of intelligence” im Kontext der Künstlicher Intelligenz, oder “Why should one need to be a human to be a therapist?”.

        “Learn as much from bots as they do from you!” lautet es in einem Bild von Lou Kantor. Als Basis für meine Abschlussarbeit habe ich eine kleine Zitatensammlung aus den Texten über Digitale Bilder (mehr spezifisch generative Bilder) vorbereitet. Der bestehende Text wurde dann durch ein generatives Software (KI) selber zu dem transformiert, was er eigentlich beschreibt - ein von KI live generiertes Bild. Die Abschlussarbeit wird zum Schluss in Form einer Website präsentiert, wo der Betrachter (Internet-Nutzer) die Transformation “live” erleben kann.




01


Die Träume der Wissenschaftler haben nicht ausschließen können, dass eine zunehmend inhumane Umwelt entstanden ist. Es ist an der Zeit, dass der Künstler wieder eine führende Rolle einnimmt und nicht nur fasziniert zusieht, was um ihm herum geschieht. Er sollte sich die technologischen Prozesse und Werkzeuge zu eigen machen und eingreifen und mitbestimmen, welcher Natur sie seien, um sie auf diese Weise auf die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse zurückzuführen. Der Weg des direkten Zugriffs befreit den Künstler von der Versuchung der Mystifikation der Technik und platziert ihn selbst in die Mitte des Geschehens. Von hier aus sollte er die Reise seiner Entdeckungen des Geheimnisses einer technisch-wissenschaftlichen Welt antreten und seine dabei gewonnenen Erfahrungen künstlerisch vermitteln.





02


lt has frequently been argued that the digital image is not representational because it is encoded and does not record or reproduce physical reality. While this is debatable on the level of the ‘content’ of the image, which often simulates and represents a physical reality, it is true from the perspective of its production. The digital image consists of discrete, modular elements, pixels that are based on algorithms, mathematical formulas. While bits are still essentially threads of lights, they do not by nature require a physical object to ‘represent’ and are not based on a principle of continuity with a real world. Many digital images make this fact the focus of artistic exploration - often in relation and contrast to other media such as photography. They also sometimes visualize a process that otherwise would remain unseen, by translating and ‚encoding‘ visual information.





03


Generative Tendenzen in der Fotografie bedeuten insofern eine ,Störung’ des bestehenden fotografischen Systems, als sie sich seiner eingespielten Schemata entziehen und ihnen eine andere Art des Umgangs mit diesem System entgegen- halten. Dies aber geschieht auf konstruktiver Basis: im Sinne einer Erweiterung apparativer Möglichkeiten und der Entdeckung seiner schöpferischen Potentiale. Der Apparat wird umfunktioniert und seinem ursprünglichen Zweck entfremdet. Aber er erhält — wie auch der Mensch, der mit ihm umgeht —, neue Freiheiten und Aufgaben. (…)

Die generativen Tendenzen in der Fotografie versuchen hier einen Brücken-schlag, indem sie den Apparat nicht verabsolutieren, ihm aber als ,schöpferische Instanz’ eine bedeutende Rolle in diesem interaktiven Spiel zuweisen.





04


Künstlerische Bildwerke, in unserem Fall Arbeiten der Digitalen Kunst sind es, die das Unerwartete, Unwahrscheinliche und im Sinne des Programms nicht Vorgesehene produzieren sollen, die die Möglichkeit des Eintreffens neuartiger Ereignisse garantieren sollen. Sie haben sicherzustellen, dass es in der allein bewohnbaren und weitgehend durchprogrammierten Welt so etwas wie Neuheit und mit ihr »reine« Zukunft überhaupt gibt. (…) Digitale Kunst, Kunst in der berechneten Welt, ist auf Unberechenbarkeit hin berechnet, auf Unprogrammiertheit hin programmiert.





05


Nicht die mathematische Beschreibung der Welt ist das Entscheidende, sondern die aus ihr gewonnene prinzipielle Konstruierbarkeit der Welt, die planmäßige Antizipation einer mehr oder weniger abschließbaren zukünftigen künstlichen Realität, in der der Mensch als ebenso intelligibles wie vitales Wesen möglich ist. (...) Nur antizipierbare Welten sind programmierbar, nur programmierbare sind konstruierbar und human bewohnbar.





06


lt has been suggested that the creation of artworks such as paintings or drawings on a computer implies a loss of relationship with the ‘mark’ - that is, that there is a significant lack of personality in the mark one produces on a computer screen as opposed to one on paper or canvas. While this is certainly true, the comparison with painting and drawing itself is slightly problematic. Art created by means of computer technologies is more comparable with other technologically mediated art forms such as film, video, and photography, where the individuality and voice of an artist does not manifest itself in a direct physical intervention. Concept, all elements of the composition process, the writing of software, and many other aspects of digital art’s creation are still highly individual forms of expression that carry the aesthetic signature of an artist.





07


A rhetoric of crisis and catastrophe has dominated the theorization of the digital and electronic image since the l980s. The digital has been interpreted as the signal of a dangerous loss of perception, materiality, memory, and even reality itself, and as the symptom of a catastrophic historical rupture. (…)

A common feature of this widespread apocalyptic rhetoric is that it sets up an arbitrary binary opposition between analogue and digital images, for which the former comes to stand for modernism, a culture and a period in which historical awareness was still possible, whereas the latter stands for postmodernism as a deeply amnesiac stage of history in which capitalist reification has become absolut.






08


Das digitale Bild, das mir ermöglicht, in jede Stelle der Bildfläche so individuell einzugreifen wie der Maler auf der Leinwand, jede Stelle so zu gestalten, wie es meinen Vorstellungen entspricht, befreit nicht nur die apparative Kunst von ihrer quälenden und beengenden Mechanik, sondern befreit das Bilddenken schlechthin von vielen Zwängen; es ist also der erste reale Vorschein des „befreiten Bildes”.





09



Die absolute Entgrenzung der Medien zielt ganz unromantisch auf eine zweite Natur, hinter der es keine erste mehr gibt.






10


Seinerzeit hatte das neue Medium [Fotografie] die Aufgabe, die Welt zu sichten und zu entdecken - mit allen kulturellen und geographischen Eigenheiten, jeweils verortet an einem festen Platz zu einer bestimmter Zeit.

In der digitalen Welt ist alles immer überall.





Literaturverzeichnis

[1] Sheridan, Sonia Landy: «Generative Systems versus Copy Art: A Clarification of Terms and Ideas», in: LEONARDO, Nr.16, Berkeley, CA/Oxford, UK 1983, S. 103-108.
[2] Paul, Christiane: Digital Art, third edition, London: Thames & Hudson, 2015, S. 47-48.

[3] Jäger, Gottfried: Abstrakte, konkrete und generative Fotografie. Gesammelte Schriften, Bernd Stiegler, Paderborn: Wilhelm Fink Verlag, 2016, S. 157.

[4] Engell, Lorenz: Ohne Störung. Wirklichkeit als Programm und als Grenzwert in der Digitalen Ästhetik, in: Störzeichen. Das Bild angesichts des Realen, hrsg. O. Fahle, Weimar: VDG, 2003, S. 240.

[5] Bense, Max: Einführung in die informationstheoretische Ästhetik, Reinbek, 1969, Reprint in: Bense, Max: Ausgewählte Schriften, Ästhetik und Texttheorie, Stuttgart/Weimar, 1998, S. 335.

[6] Paul, Christiane: Digital Art, third edition, London: Thames & Hudson, 2015, S. 47-48.

[7] Magagnoli, Paolo: Let meaning disintegrate: digital compression as revelation in the art of Sean Snyder, in: The Versatile Image. Photography, digital technologies and the internet, edited by Alexandra Moschovi, Carol Mackay, Arabella Plouviez, Leuven: Leuven University Press, 2013, S. 223-224.

[8] Weibel, Peter: Zur Geschichte und Ästhetik der digitalen Kunst, Ars Electronica Archiv, Linz

[9] Bolz, Norbert: Theorie der neuen Medien, München 1990, S.63.

[10] Müller, Karl: Kleine digitale Malklasse / Von der scheinbaren Fotografie zur digitalen Malerei, Heidelberg: Kehrer Verlag, 2008, S. 10.